Einsamkeit ist ein teuflischer Begleiter...

  • Eintrag 1:

    Mein erstes Buch ist nun voll und ich beginne heute mit dem zweiten Buch. Ich kann nicht sagen ob es jemals einer lesen wird, ich für meinen Teil will meine Gedanken dennoch einfangen. Allein schon um nicht verrückt zu werden. Die Einsamkeit kann ein teuflischer Begleiter sein. In den Stunden die ich in Wäldern verbringe fühlt es sich oft so an als sein jemand ganz nah. Dieses Gefühl wenn man den Blick eines Fremden im Nacken spürt. Ein Schatten am Türschlitz. Ich habe die Kleidung des toten Polizisten erstmal entsorgt und in der nähe von Vybor versteckt. Die zivile Kleidung sollte mir mehr Sicherheit gegenüber Personen geben die ich treffe. In jeder Stadt werfe ich das Funkgerät an und warte darauf das jemand etwas sagt. Drei Batterien lang habe ich nur bisher nichts empfangen können. Kurzwellenfunkgeräte reichen wohl nicht sehr weit oder niemand funkt in meiner Nähe. Soll ich vielleicht einen Funkspruch absetzen? Die Gefahr besteht natürlich das ich in eine Falle tappe, andererseits bekomme ich so vielleicht Kontakt zu Menschen die hilfe brauchen. Mal sehen wie ich das machen werde.


  • Eintrag 2:

    Der gestrige Tag war aufschlussreich. Ich habe Funksprüche abgesetzt. Erst antwortete ein kleiner Junge von einem Khelmer Bauernhof und erzählte brühwarm wo er lebt, dann als ich auf seine Antwort wartete war da plötzlich diese Frauenstimme. Erzählte was davon das sie eine Krankenschwester -zumindest konnte ich das schlussfolgern- sei und das die Revolution jede hilfe annehmen würde. Da dachte ich sofort an diese Chedaki die meine Schwiegermutter immer erwähnte. Sie allerdings dementierte das. Erzählte etwas davon das sie leben retten würde. Erst wollte ich ihr das ja glauben aber dann musste ich mir das ganze ansehen. Die Verbindung war klar, also musste sie in der Nähe sein. Radio Red Star sagte sie und dann war es mir klar, der Funkturm bei Gorka war ihre Basis. Es musste so sein also wartete ich nach ihrem letzten Funkspruch und beobachtete sie. Beobachtete wie sie ihr Sturmgewehr nachladete und in Armee Kleidung durch die Basis spazierte. Rote Armbinden trugen alle drei und auch ein schwarzes Barett. Soldaten bis an die Zähne bewaffnet. Müsste ich raten würde ich sagen einer der Männer ist Scharfschütze gewesen. Ihre Namen sind, sofern ich es richtig verstanden habe, Valeska und einer Pablo oder Paolo. Den Namen des dritten habe ich aber nicht verstanden. Ich beobachtete sie dann eine Zeitlang und hatte genug Chancen sie zu erledigen. So unvorsichtige Soldaten habe ich lange nicht gesehen. Merkwürdig war auch die Art und weise wie sie reagierten als ich begann mein Spiel mit ihnen zu spielen. Ich erzählte dieser Valeska davon das ich mich bei ihrer Basis treffen wollte. Erklärte ihr was sie gerade für Kleidung trug und vermittelte ihnen das ich sie sehen würde. Sofort wurden alle nervös. Es war schon am dämmern und ihnen wurde klar dass sie einen Schützen nicht sehen konnten der in der Dunkelheit getarnt auf dieser großen Fläche sitzt.



    Ich fand es amüsant als einer der Soldaten direkt an mir vorbei ging und mir in mein Gesicht schaute ohne mich zu sehen. Auch ihre Gespräche waren erheiternd. Sie erinnerten mich an Boris und Jaroslaw. Sie wären tot gewesen hätte ich es gewollt und dennoch fühlten sie sich so sicher. Dann rannte die Frau aus dem hinteren Tor. Ich lieg eine ganze weile neben ihr bis ich genau hinter ihr zum stehen kam und sie merkte es nicht. Sie drehte sich wieder zum gehen um und lief vor mir weg. Dann habe ich einmal gepfiffen und sie kam zurück. Sie erzählte mir das sie nicht gefährlich wären und das sie ja nur Krankenschwester sei. Die Soldaten wären auch die “Guten” nur ihr Bruder von der UN sei nicht so toll. Sie könnte auch mein misstrauen verstehen und vertraut den Soldaten von denen mich einer im Visier hätte. Was für ein Witz. Ein Schritt von mir und sie wäre tot gewesen, die zwei Soldaten hätten nicht mal gesehen in welche Richtung ich bin. Selbst wenn sie sich angeschlichen haben. Wieder dementierte sie alles was mit Chedaki zutun hatte aber ich glaube ihr nicht. Ich glaube ihr kein einziges Wort. Die beiden Kerle sehen vielleicht aus wie Soldaten, spielen mit ihren Waffen wie Soldaten aber es sind keine Soldaten. Kein Ausgebildeter Soldat würde sich in einem Trichter verschanzen den man von allen Seiten jederzeit ungehindert unter Feuer setzen könnte. Dann machen sie überall Lichter an damit ich sie noch besser sehen kann um sie von einer der Antennen zu erschießen? Nein, das sind keine Soldaten. Es sind Kinder mit Waffen, die Soldat spielen. Wie Boris und Jaroslaw. Ich behalte das im Auge.



    Säuberung? Fraglich.

  • Eintrag 3:

    In der letzten Nacht habe ich von dir geträumt mein Schatz. Wie in einer unerträglichen Endlosschleife habe ich unsere letzten Stunden vor meinem geistigen Auge gesehen. Auch dieses mal konnte ich nichts tun. Ich konnte dich nicht vor Boris beschützen. Ich habe es nicht mal in meinem Traum geschafft dein Leben zu erhalten. Manchmal frage ich mich wie es wäre wenn du noch hier bei mir wärst. Wenn du an diesem Tag nicht einfach erschossen worden wärst. Wären wir heute zu dritt? Wäre ich trotzdem noch so alleine? Hätte ich dann zu dieser Gestalt zwischen Himmel und Hölle werden müssen? Würde ich immer wieder Menschen töten? Oder hätte ich die Chance zu sein wie früher? Ein einfacher Mann. Ein Mann ohne Angst. Ohne diese dunklen Gedanken die sich Tag um Tag in meinen Geist bohren. Hin und wieder überlege ich es einfach zu beenden. Mir die Waffe an die Schläfe zu legen und einfach in das Nichts abzutauchen, doch dann merke ich wie mir diese Art zu sterben widerstrebt. Ich finde es feige sein Leben so zu beenden. Ich will etwas bewirken, diese Welt von Menschen befreien die schwache unterdrücken, weil die sich nicht selbst helfen können. Von Soldaten die Blind ihren Aufträgen folgen ohne zu hinterfragen warum sie das eigentlich tun. Ich hoffe du verstehst das mein Engel? Ich hoffe du weisst das ich schnellstmöglich zu dir will, es aber nicht mit meiner eigenen Hand geschehen lassen kann

  • Eintrag 4:

    Endlich bin ich wieder Frei. Zwei Männer haben mich aus der Nähe der Soldaten-Basis mitten in den Wald verschleppt. Ein kleines Haus am Rand von Gorka. Ich bin wach geworden und plötzlich standen diese Kerle vor mir. Beide hatten ihre Gesichter verhüllt, auffallend war nur das einer der Beiden zweifarbige Augen hatte. Links grün und rechts blau. Ich kann nicht wirklich erklären wie das sein konnte aber als ich diesem Haus wieder zu mir kam, war es nicht wie sonst wenn es einen Übergriff gab. Ich war nicht panisch. Ich hatte auch keine Angst. Ich fühlte mich fast schon geborgen. Beschützt. Der Typ mit den verschiedenfarbigen Augen sagte erstmal nichts, nur der andere redete. Leise und als ob er über jedes seiner scheiß Worte nachdenken würde. Er erklärte mir das sie mich beobachtet hätten. Das der Mann mit diesen eisigen Augen immer wie ein Schatten an mir dran war. Das er das Gespräch beobachtet hatte das ich mit der Krankenschwester geführt hatte und auch das er die ganze Zeit direkt bei uns stand. Ich habe niemanden gesehen. Ich dachte mir zwar immer wieder das jemand hinter uns stand aber in dem Glauben das er einer der beiden Soldaten war. Sie erklärten mir aufjedenfall das sie beginnen zu rekrutieren. Für was sie rekrutieren, das habe ich nicht aus ihnen rausbekommen aber sie sagten erzählten von einem Buch. Einer Art Leitfaden der sie antreibt. Scheiße, die waren sich so sicher das sie mir überlegen waren, das sie mich weder gefesselt hatten, noch war einer mit der waffe in der Hand vor mir rumgelaufen. Die wirkten nicht nur wie ausgebildete Soldaten, sondern gleichzeitig wie Lehrer oder Professoren. Werde ich langsam irre Schatz? Sie gaben mir eine Bibel und sagten der erste Hinweis wäre darin versteckt um sie nochmal zu treffen. Sie schworen mir das mein leben wieder einen Sinn bekommen würde obwohl du nicht mehr bei mir bist. Fuck, sie wussten von dir. Der eine hat sogar mit meiner Muttersprache gesprochen. Ich muss wissen was es mit diesen Leuten aufsich hat, dafür brauche ich aber Informationen und ein Auto. Ich denke ich weiß auch schon wo ich beides herbekommen werde. Sie hatten mir wohl etwas in mein Wasser gemischt, ich kann mich nämlich nicht mehr daran erinnern was wir als letztes getan haben. Ich weiß nur das ich weit ab von der Hütte in einer Kirche aufgewacht bin und mich jetzt auf den Weg machen werde.

  • Eintrag 5:

    Sie waren erneut bei mir. Scheiße sind diese Kerle hartnäckig. Ich habe dieses Haus gefunden in das sie mich das erste mal verschleppt hatten, sie waren zwar nicht dort aber dennoch wusste ich genau das es dieses Haus gewesen sein musste. Kurzerhand entschied ich mich dazu dort zu warten. 4 Tage aber niemand tauchte mehr dort auf. Zuerst dachte ich einfach nur das sie tot sind und wollte verschwinden. Diese Typen vergessen, doch anstelle dieser Männer, habe ich den ganzen restlichen Tag vergessen. Wach wurde ich erst wieder in einem Auto. Der Irre fuhr mit Sicherheit 180 km auf dieser kurvigen Straße, unterhielt sich aber als ob wir im Drive Inn einer fastfoodkette stünden und gerade überlegten was wir den bestellen können. Er klärte mich auf das es ihnen nicht so ganz passen würde das ich Zettel verteile und blind Kontakt zu anderen suche, darüber hinaus würde es ihnen aber gefallen das ich ihnen nicht vertraue und erstmal versuche abzustecken wer oder besser was hinter diesen Kerlen steckt. Kurz überlegte ich mir dem Typen die Kehle durch zuschneiden, ich saß ja hinter ihm, doch dann sagte er mit dieser trockenen Arroganz: “Wenn du das tust worüber du gerade nachdenkst, werde ich diese Karre gegen einen Baum setzen und dann wirst ebenso wie ich verbluten. Es lohnt sich nicht. vertrau mir Nicolo.” Der Wichser kannte nicht nur meine Gedanken, sondern auch meinen Namen. Ich habe niemanden meinen Namen gesagt. Als könne er Hellsehen oder sowas. in diesem Moment hatte ich nach langer Zeit wieder Angst. Und ich rede hier nicht von dieser normalen Angst, sondern die Angst nicht mehr die Kontrolle zu haben. Kurz auf der Höhe der Stadt Vybor, hielt er mir nachdem er einen Schluck getrunken hatte, eine Flasche Cola in. Ich trank davon, er hatte es ja auch getan, was sollte also passieren? Ich schlief ein. Der Arsch hatte sich selbst vergiftet um mich in Sicherheit zu wiegen? Als ich wieder zu mir kam stand das Auto in einem Wald. Ich lag auf der Rückbank und am Steuer war eine Leiche. Nicht dieser Typ, sondern ein Mann in Uniform. Glatter Kopfschuß. Auf dem Beifahrersitz lag nur eine Karte und eine Anweisung: “Gib dich als französischer Polizist aus falls du auf Leute triffst. Die Groupes d’intervention de la Police nationale (GIPN) sind Spezialeinheiten der Police nationale in Frankreich. Eine Art Eingreiftrupp ähnlich der GSG9. Mir ist bis jetzt noch nicht klar was das soll, ich habe die Kleidung aber angezogen. Ich weiß nicht was sie bezwecken aber ich versuche es herauszufinden. Diese Kerle sind eine Gefahr für jeden der nicht so Willensstark ist wie ich. Jetzt versuche ich erstmal die Orte auf der Karte abzufahren die sie markiert haben und bisher war an jedem der markierten Orte eine Art Lager oder Versteck von Überlebenden. Ich brauche einen Unterschlupf und werde das AUto weiter benutzen. Die Kerle finden mich ja eh, ich mach also gute Miene zum bösen Spiel.

  • Eintrag 6:

    Heute bin ich zurück in der Stadt wo sie mich das erste mal abgefangen hatten. Die letzten Tage habe ich die markierten Routen und Orte abgefahren und mir ist aufgefallen das die Kerle mir die Wahrheit gesagt haben. An allen Orten waren Lager oder Siedlungen. Warum kennen sie sich so gut aus aber niemand kennt sie? Könnte es sein das sie bei allen die ich gefragt habe ein Stein im brett haben und man sie daher verleugnet? Ich klinge schon wie ein Verschwörungstheoretiker. Wie dem auch sei, ich bin der Meinung das es an der Zeit ist Antworten zu erhalten. Ich folge den Kerlen und ihren Anweisungen zwar erstmal aber trotzdem habe ich so ein unangenehmes Gefühl in der Magengrube.


    Genau so verwunderlich wie die Tatsache das ich anscheinend von Geistern oder unsichtbaren Mächten gelenkt werde, ist das diese Soldaten plötzlich glauben sie hätten militärische Gewalt oder auch nur den Funken von Autorität. Sicher haben sie ein Gebiet annektiert und sind ausgebildete Militärs, jedoch entzieht sich mir der Sinn dahinter Schilder aufzustellen und von einem “Militärischen Sicherheitsbereich” zu sprechen. Man solle sich am Haupttor melden. Als ob - nach über einem Jahr - noch jemand an solch einem Blödsinn festhalten würde oder sich nicht darüber im klaren wäre das er erschossen werden könnte wenn er denn Unterschlupf einer fremden Gruppierung betritt. Ob mehr dahinter steckt als Größenwahn? Haben sie vielleicht wirklich Kontakt zu irgendeiner Regierung? Wenn ja dann müsste es doch noch andere Hinweise darauf geben nicht? Die Ereignisse werden immer unverständlicher für mich. Ich kann kaum noch dem roten Faden folgen. Jetzt täte mir ein Rat gut. Am liebsten ein Rat von dir oder das du mir sagst das alles gut wird mein Engel.


    Ich werde mich einfach versuchen mit ihnen zu Unterhalten sobald ich ein neues Funkgerät habe oder dieses riesen Ding zum laufen bekomme das ich in dieser Baracke gefunden habe.