Charaktervorstellung Charles Branson

  • Name: Charles Branson
    Spitzname: Bran
    Alter: 23
    Früherer Wohnort: Geboren in Wiesbaden, Deutschland; aufgewachsen in Des Moines, Iowa (USA)
    Früherer Beruf: Lagerist

    Trockenes Laub wirbelt durch die Luft. Es weht ein steifer Wind, welcher eine beißende Kälte mit sich bringt. Ich drehe mich zur Seite und schaue hinüber zum Kamin. Unter den Füßen knirscht das zerbrochene Glas.
    Für die Nacht ist noch genug Holz da, um das Feuer zu füttern.
    Ich blicke wieder hinaus aus dem Fenster.
    Draußen am Zaun, direkt neben dem Tor, ist eines dieser Dinger auf einem Pfeiler aufgespießt. Der Unterleib fehlt, seine Innereien sind um den Pfahl gewickelt.
    Diesem 'Mahnmal' wurden die Arme vom Leib gerissen, sodass es sich nicht mehr befreien kann. Zappelnd und zuckend hängt es dort mit wackelndem Kopf, wenn es versucht in die Leere zu beißen.
    Ich gehe hinüber zum Kamin und setze mich in den alten Ohrensessel. Mein Blick verliert sich in den Flammen. Die Kälte der Nacht sitzt mir in den Knochen, doch langsam beginnt das Feuer meine Haut zu erwärmen.
    Ich hebe meine Hand an meinen Hals. Das scharfe Glas ist kalt wie Eis.
    Etwas mehr Druck und die Spitze der Scherbe färbt sich rot....

    Wenn ich durch die Gänge der Schule gehe, höre ich sie hinter mir lachen und tuscheln. Sie lachen über mich. Es ist mein letztes Jahr hier und selbst die Neulinge verachten mich.
    Ich wünschte sie würden mich als Außenseiter einfach nicht beachten. Doch das tun sie nicht. Tagein tagaus bin ich das Ziel ihres Spottes.
    Selbst im Unterricht bin ich nicht sicher.
    Ein bisschen weiter vorne im Raum sitzt sie. Emma. Für mich ist sie das schönste Mädchen in der ganzen Schule. Wenn sie lächelt, kann ich für einen Moment alles vergessen. Sogar, dass sie mich nie anschauen würde.
    Von hinten fliegen mir wieder Papierkügelchen und Papierflieger in den Nacken.
    Bald ist es vorbei. Bald komme ich endlich hier raus. Bald bin ich weg...

    Natürlich hat sie mich abserviert. Wie konnte ich auch nur denken, dass so ein beliebtes schönes Mädchen mit jemandem wie mir zum Abschlussball geht. Lächerlich.
    Ich kann mich dort nicht blicken lassen. Sie hat es allen erzählt. Tatsächlich haben sie mich sogar dabei gefilmt, als ich sie gefragt habe. Die ganze Schule hat mein Gestammel gesehen.
    Ein neuer Höhepunkt. So schlimm war es nie.
    Doch jetzt ist es vorbei...

    Viele haben das Viertel verlassen, aber ich bin immer noch hier. Wohin sollte ich auch schon gehen. Ich hasse meinen Job im Getränkeladen. Immerhin muss ich nicht an der scheiß Kasse sitzen. Hinten im Lager bin ich überwiegend alleine. Verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit.
    Wenn ich dann doch einmal am Tag im Laden die Regale auffüllen muss, spüre ich sie. Die bohrenden Blicke der Kunden im Laden.
    Es ist fast so als könne ich ihre Gedanken lesen: „Was ist denn mit dem los? Mit dem stimmt doch irgendwas nicht! Fuckin Weirdo!“
    Der Kollege vorne an der Kasse muss dringend 5 Minuten Pause machen. Hat irgendein wichtiges Telefonat zu führen. Jedenfalls muss ich eben für ihn einspringen. Warum ich? Weil sonst niemand da ist!
    Ich kann es kaum glauben. Sie ist hier. Jetzt, hier bei mir im Laden. Dabei dachte ich, sie sei schon längst weggezogen. Was soll ich jetzt tun? Was sagen?
    Sie hat mich nicht erkannt. Nach all den Jahren hat sie mich einfach nicht erkannt. Wie konnte sie das nur vergessen? Mich vergessen? Das was sie mir angetan haben?
    Ich bin ihr hinterher gefahren. Sie isst ein Eis mit ihren Freundinnen. Keine von ihnen hat mich gesehen, wie ich sie beobachte. Emma ist noch immer genau so hübsch, wie am ersten Tag.
    Anscheinend bin ich doch noch nicht ganz über sie hinweg...

    Dein Haus. Früher habe ich oft einen Umweg nach der Schule genommen, um hier vorbei zu kommen. Es ist viel Zeit vergangen, doch du lebst immer noch hier. Warum? Du hättest es schaffen können groß raus zu kommen.
    Emma war immer und überall der große Star der Show. Was ist nur passiert?
    Mit meiner Kamera warte ich hier auf dich. Ich gehe dir hinterher und mache Fotos. Gott bist du schön. Oft sehe ich dich alleine in der Stadt. Du benutzt immer noch das gleiche Parfüm...

    „Pschhht, es ist vorbei“.
    Monate lang habe ich Bilder gesammelt. Jetzt brauche ich sie nicht mehr. Jetzt habe ich dich.
    Du gehörst an meine Seite.
    Ich streiche über dein sanftes blondes Haar. Durch einen kleinen Spalt zwischen den Brettern scheint ein schmaler Sonnenstrahl auf deine goldenen Locken. Es ist wie in einem Traum.
    Mein Traum...
    der immer wiederkehrt und mich nicht mehr loslässt.
    Du bist so ruhig und friedlich, wie du es vermutlich nie zuvor gewesen bist.
    Ich zittere am ganzen Körper. Dieses Gefühl, es ist beinahe unmöglich es in seiner Gänze zu beschreiben. In meinem ganzen Leben bin ich nie so glücklich gewesen.
    Kichernd sitze ich an der Wand und halte dich in meinen Armen.
    Emma, ich werde dich für immer lieben!
    Bei meinen nächtlichen Besuchen wartest du schon auf mich. Deine Alabasterhaut schimmert im fahlen Mondlicht. Dein Geruch klebt an mir. Du wirst mich nie mehr verlassen...

    Emma, du hast dich verändert.
    Deine schönen Augen strahlen schon lange nicht mehr. Das tiefe Blau ist nunmehr milchig und bleich. Ich vermisse es.
    Wenn ich nach dir sehe, wehrst du dich. Warum tust du das? Hast du mir nicht versprochen, du würdest alles tun? Doch das hast du! Unter Tränen hast du es mir geschworen!
    Und trotzdem bist du jetzt so kalt und abweisend. War ich doch immer gut zu dir. Wir beide gehören zusammen. Das weißt du. Das weiß ich.
    Nichts kann uns trennen.
    „WARUM SIEHST DU MICH SO AN?!“
    Ich verstehe es nicht. „SIEH MICH NICHT SO AN!“

    Lügen! Nichts als Lügen!
    Mit deiner Schönheit hast du versucht mich zu blenden, aber ich lasse mich nicht von dir verarschen. Nichts weiter als ein falsches Biest. Dein Versprechen gebrochen. Damals hast du mich schon einmal hereingelegt.
    Ich dachte du hättest daraus gelernt.
    Innerlich bist du komplett zerfressen. Deine Eingeweide durchzogen von Maden und Würmern. Wie konnte ich dir nur vertrauen? Ich liebe dich, und du tust mir sowas an?
    Dein Fleisch schält sich langsam von deinen Knochen. Die Klinge blitzt als ich sie in meiner Hand drehe. Emma, du wirst wieder perfekt sein, wenn ich dich wieder zusammengesetzt habe. Ich lasse das nicht mehr mit mir machen.
    Scheiß Schlampe, hinterhältige Fotze!
    Stück für Stück verpacke ich dich in Jutesäcke. Ich verlasse dich. Im Regen stehe ich in meinem Garten und schaufle ein tiefes Loch. Nur für dich, meine Liebste. Ich bin durchnässt und völlig kraftlos.
    Über deinem Grab sacke ich zusammen und im Regen sieht man meine Tränen nicht. Ich lache und weine zugleich. Dieser Ort ist zu viel für mich, ich ertrage es nicht länger hier.

    Die Koffer sind leicht. Es gibt nicht viel, was ich mitnehmen werde. Die Anzeige am Flughafen zeigt mir, dass der Flug nach Tschernarus in einer Stunde gehen wird.
    Ihr Gesicht ist auf einem Plakat zu sehen. Vermisst. Ein Seufzer bei dem Gedanken daran, dass sie ihren Körper vermutlich in der gleichen Sekunde finden werden. Es wird Zeit.
    Ich betrete das Flugzeug, halte dabei eine ihrer Haarlocken in der Hand.
    Sie duftet noch immer nach ihrem lieblichen Parfüm...

    Ich lasse die Glasscherbe fallen und beginne zu zittern. Wieder habe ich es nicht geschafft, ich kann es nicht.
    Sachte erhebe ich mich aus dem Ohrensessel und schmeiße die blutige Scherbe mit voller Wucht in die heiße Glut im Kamin. Dabei ein lauter Schrei.
    Verzweifelt schleppe ich mich herüber zum Fenster. Das Biest auf dem Pfahl hängt schlaff da. Es muss schon vor Stunden verendet sein.
    Das alte Foto von Emma in der Hand haltend, starre ich mit glasigem Blick aus dem Fenster und flüstere: „Siehst du es? Kannst du es jetzt erkennen?“...“Du wirst ewig leben“.

    [align=center]“In eternity, where there is no time, nothing can grow. Nothing can become. Nothing changes. So death created time to grow the things that it would kill and you are reborn but into the same life that you’ve always born into. When you can’t remember your lives, you can’t change your lives, and that is the terrible and secret fate of all life. You’re trapped by that nightmare you keep waking up into.” True Detective[/align]