Beiträge von Revie

    Eintrag 1


    Leicht gähnend sitzt Emily auf einen der erhöhten Jägerstände und beobachtet das riesige Feld darunter. Nur der Mond und das kleine Knicklicht neben ihr spenden etwas Licht, gerade genug, damit sie ihr Notizbuch hervorholen und etwas niederschreiben kann.


    Mit der Vergangenheit abzuschliessen ist eine Fähigkeit, die ich wohl noch erlernen muss. Zwar war ich bisher der Meinung, dass mich nichts von damals mehr aus der Fassung bringen könnte, doch wurde ich schmerzlichst eines Besseren belehrt. Ich schätze, dass wir beide nicht mit dieser Reaktion von mir gerechnet hatten. Obwohl, wer weiss. Ich kann nur schwer einschätzen, was genau er von mir denkt. Seine Worte sind manchmal so unverständlich und verwirrend, als würde er eine andere Sprache sprechen und in der nächste Sekunde dann wieder so verständlich, als würden wir dieselben Gedanken teilen.


    Einige seiner Worte lassen mich nicht los… vermutlich, weil ich sie noch nicht gänzlich verstehe. Oder verstehe ich sie und bin es mir bloss nicht bewusst? Vieles, worauf er mich aufmerksam macht, gehört für mich bereits dazu. Sei es sich versteckt zu halten und mit der Umgebung zu verschmelzen oder nicht offensichtlich auf Strassen zu wandern. Das alles waren Dinge, die ich bereits zuvor so gehandhabt hatte.


    Aber brachte mich das wirklich an mein Ziel? Würde ich damit das erreichen können, was ich wollte oder driftete ich bereits auf einen Weg ab, von dem es kein Zurück mehr geben würde? Ich brauche mehr Zeit… Zeit über alles nachzudenken und mir über gewisse Dinge im Klaren zu werden.


    Diese Welt hatte sich verändert… in gewisser Weise zumindest. Was die Boshaftigkeit der Menschen anbelangte, so stellte ich keinen grossen Unterschied fest.. nur die Handhabung hatte sich verändert. Während früher Verbrechen verfolgt und geandet wurden, ist es heute sozusagen scheiss egal. Niemand interessierte sich heute noch für Gesetze. Ich ehrlich gesagt auch nicht. Ich tat was ich für richtig hielt… so wie vermutlich alle hier, um das eigene Überleben zu sichern. Wobei… soweit ich gesehen und beobachtet habe, scheinen manche den Ernst der Lage noch nicht wirklich begriffen zu haben. Sie vertrauen blind… lassen ihre Lager unbeaufsichtig und drehen einem unbedacht den Rücken zu. Nun… bei mir brauchten sie sich grundlegend keine Sorgen zu machen, ich hatte nichts Böses vor… doch es gab andere, die solche Gelegenheiten nutzen würden, wenn sie sich boten.


    Die Leute darauf aufmerksam zu machen würde wohl nicht viel bringen… schon oft hatte ich früher versucht die Menschen um mich herum zu sensibilieren und ihnen klar zu machen, dass sie vorsichtiger sein sollten. Im Endeffekt, hatte es nicht viel gebracht… aber womöglich hatte ich nun ja eine Chance das alles etwas zu ändern.


    Sie stoppt in ihrer Bewegung und seufzt, während sie sich noch einmal alles durch den Kopf gehen lässt. Kurz fährt sie mit einer Hand über eines ihrer Handgelenke und zieht den Stoff ihrer Jacke etwas zurück.


    Ja diese Welt hatte sich verändert… und ich hatte mich auch verändert. Ich weiss noch vor einigen Jahren, als ich mir schwor nie einem lebenden Wesen etwas anzutun. Ich würde Leben versuchen zu retten und sie nicht nehmen… und doch kümmerte ich mich tagtäglich darum die Strassen von Infizierten zu befreien, zumindest so, dass ich mich ohne Gefahr bewegen konnte. Doch ich denke diese Einstellung ist in einer Welt wie heute, nur noch schwer möglich. Jeder musste sich anpassen… auf die eine oder andere Art, oder man blieb auf der Strecke.


    Doch was sollte ich nun tun? Vieles von den neuen Erkenntnissen sprach mir aus der Seele… wiederum andere jedoch sah ich anders… ob das zu Problemen führen würde, oder lag der Sinn des ganzen darin, nicht gleich alles für bare Münze zu nehmen? Ich wollte nicht zu viele Fragen stellen… nicht zu viele meiner Sorgen offenbaren, wenn ich noch nicht einmal wusste, ob es wirklich Sorgen sind, oder ich zuzeit einfach viel zu viele Dinge versuchte zu verarbeiten.


    Nun, wir werden sehen… ich sollte wohl mal wieder versuchen etwas Schlaf abzubekommen… ist wohl schon wieder einige Stunden überfällig…


    Emily klappt das Notizbuch zusammen und verstaut es wieder an seinem rechtmässigen Platz.

    *Emily wäscht sich das Blut von den Händen und lässt sich anschiessend nahe einer Wand auf den Boden sinken. Die dunklen Augenringe sind nun noch deutlicher zu sehen als sonst, vermutlich war es längst wieder an der Zeit für sie mehrere Stunden am Stück zu schlafen. Doch die momentane Situation war noch immer zu unsicher dafür. Sie lässt ihren Blick noch einmal zu den anderen schweifen um sich zu vergewissern, dass es allen mehr oder weniger gut geht, ehe sie ihr Notizbuch greift und beginnt zu schreiben.*


    Es wäre gelogen zu sagen, dass ich in gewissen Augenblicken nicht damit gerechnet hätte, dass wir alle sterben würden. Sei es als auf diese kleine Halle geschossen wurde oder als wir die Schüsse von draussen hören konnten, nachdem wir uns in die Lagerhalle bei Svetlo begeben hatten. Es war so lange still und dann plötzlich kam ein regelrechtes Feuer an Schüssen.


    Aber vielleicht sollte ich besser von Anfang an beginnen… scheinbar wurden Reaper in der Stadt gesichtet, sodass die «Söldner» sich der Sache angenommen haben und los sind, um die ganze Geschichte zu überprüfen. Ich blieb mit Maria und einigen anderen zurück in der Halle, bis dieser Nathaniel auftauchte. Keine Ahnung zu wem er genau gehört, Fakt ist jedoch, dass er wohl falsche Informationen an uns weitergegeben hat. Eric hatte ihm wohl aufgetragen zu uns zu kommen und uns zu holen, er jedoch wollte sich in der Halle verschanzen. War er einfach nur feige oder hatte er uns absichtlich von der Situation fern halten wollen? Was auch immer, Vertrauen braucht er von mir nicht mehr zu erwarten. Wie kann man seit 4 Jahren in dieser Scheisse leben und so feige sein? Ach egal, das soll nicht meine Sorge sein.


    Schlussendlich kam Eric in die Halle, wohl etwas aufgebracht, da wir nicht zu ihnen gekommen sind. Verständlich, nur konnten wir das schlecht wissen, wenn uns dieser Typ nicht die Wahrheit sagte. Eric wollte, dass wir mitkamen um den Reaper zu identifizieren. Filip nennt er sich wohl, wobei es mir ziemlich egal ist wie er heisst oder ob das wirklich sein Name ist. Die Stimme erkannte ich sofort und er schien sich auch nicht wirklich allzu grosse Mühe zu geben, sich als wen anderes auszugeben. Entweder war er dumm oder er glaubte wirklich, dass es kein Nachspiel geben würde. Dann wurde auf die Halle plötzlich von irgendwoher geschossen. Mehrmals und manchmal nur sehr knapp an Köpfen und Beinen von diversen Personen in der Halle vorbei.


    Das Ganze dauerte zu lange… also ging ich nach oben zu der kleinen Kammer, in welcher sich Filip versteckte. Was genau ich damit erreichen wollte? Nun, so genau wusste ich es selbst nicht. Es wäre ein leichtes gewesen ihn zu erschiessen… mehrmals hatte ich freie Sicht auf ihn und hätte die Waffe heben können. Doch irgendetwas sagte mir, dass es noch nicht an der Zeit war. Der Tod war an sich auch eine Befreiung und meiner Meinung nach sollte er sich erst für seine Taten verantworten müssen. Eric kam anschliessend nach oben und wollte mit ihm unter vier Augen reden. Keine Waffen und nur die zwei.


    Ich nahm sein Gewehr und die Pistole und brachte alles erstmal zur Lagerhalle zurück. Wirklich begeistert davon war ich nicht, aber womöglich war es die beste Lösung. Doch manche Leute… also wirklich, ich wundere mich wie sie es geschafft haben so lange zu überleben. Vermutlich hatten sie nichts anderes als pures Glück gehabt, anders konnte es einfach nicht möglich sein.


    Diese Helena… meine Güte, also noch schlimmer kann es wirklich nicht mehr werden. Mal davon abgesehen, dass sie wohl überhaupt keine Ahnung hatte, was genau hier vorging und weswegen wir so handelten, hatte sie wohl auch überhaupt keine Ahnung, wie man sein eigenes Leben schützte. Grosse Klappe und meiner Meinung nach zu nichts zu gebrauchen. Es erschrak mich selbst, dass ich nicht nur einmal daran dachte, ihr einfach eine Kugel in den Kopf zu jagen, nur damit sie endlich die Schnauze hielt… gleich verhielt es sich mit ein paar anderen, deren Name ich aber nicht mehr wirklich im Kopf habe.


    Bei der Halle dasselbe… es wurde gerade eben auf uns geschossen und die veranstalten ein Kaffekränzchen vor den Toren, anstatt ihren Arsch rein zu bewegen und die Tore zu schliessen. In dem Moment dachte ich wirklich, dass es nicht mehr schlimmer werden konnte. So viele Idioten… zu viele, als dass es noch tragbar wäre. Und dann fielen Schüsse. Mehrere… und ich wusste nicht, ob die Schüsse nun Gutes oder Schlechtes bedeuteten. Nun, jetzt weiss ich es… wobei ich den Grund für all das nicht verstehen kann.


    Doch ich denke auch nicht, dass ich es verstehen werde. Es ist passiert… zwei Verletzte, jede Menge Arbeit für mich und den Doc und noch dazu haben sie mir die Entscheidung abgenommen, ob ich an meinen Prinzipien festhalte oder nicht. Sie haben noch den letzten Rest dazu beigetragen, dass ich meine Welt nun anders wahrnehme und weiss, was ich nun zu tun habe.


    Tja Schwesterherz… wie sagtest du einmal? Ich bin ein einsamer Wolf, der meist nur knurrt und das weite sucht… aber wenn er lange genug in die Ecke gedrängt und hintergangen wurde, wird er sich stellen und andere seine Zähne spüren lassen. Wie immer hattest du Recht… bestimmt würdest du mich nun mit einem wissenden Lächeln ansehen und nur sanft nicken, um mir zu sagen, dass du hinter mir stehst, egal was ich tue. Ich hoffe wirklich, dich eines Tages wiederzusehen… doch gerade weiss ich nicht, ob das möglich sein wird. Ich habe nun eine Aufgabe… eine Chance… und diese werde ich wahrnehmen, auch wenn es womöglich die letzte Entscheidung ist, die ich fälle.


    Ich werde meinen Teil dazu beitragen… auf jegliche Art und Weise, die mir möglich ist.


    *Emily knallt das Buch zu und verstaut es wieder in ihrem Rucksack, ehe sie ihre Pistole greift und das Magazin nochmals überprüft. Sie wirkt nicht ruhig wie sonst, sondern vielmehr entschlossen.*

    *Emily sitzt im Zelt, welches sie zugeteilt bekommen hat und starrt an die Decke. Noch immer kann sie einfach nicht schlafen, sodass sie sich schlussendlich doch wieder aufsetzt und nach ihrem Tagebuch greift.*


    Jeder von uns lebt ein sehr unterschiedliches Leben. Wann immer ich wiedr unter Menschen bin, wird mir wieder bewusst, wie viele Geschichten es eigentlich gibt. Manche davon miteinaner verworren, andere abhängig von anderen und wiederum andere, die miteinander kollidierten. Meine war momentan… nicht gerade so wie ich sie gern gehabt hätte. Ich hasste meine derzeitige Lage. Verletzt und unnütz, an sich einfach nur ein Ballast, den man in solchen Zeiten besser loswerden sollte. Und so schnell würde sich daran wohl auch nichts ändern, zumindest nicht wenn es darum ging, mich physisch von Ort zu Ort zu bewegen. Gehen funktionierte zwar auf kurzer Distant, aber dennoch war ich auf andere angewiesen.


    Sie brachten mir Wasser und dafür bin ich auch dankbar aber… ich hasste es nicht selbst auf mich aufpassen zu könne. Dennoch musste ich den Tatsachen ins Auge sehen, dass ich es momentan nicht ändern konnte. Mein Bein würde noch eine ganze Weile in Anspruch nehmen, bis ich es wieder mehr oder weniger belasten konnte. Nun, zumindest würde mich das nicht davon abhalten meine Stärken dennoch zu nutzen, auch wenn dafür wohl gerade kein Bedarf war. Ärzte schienen sie einige zu haben, von daher würde man meine Dienste wohl so schnell nicht brauchen… zumal ich an sich Tierärztin war und keine Humanmedizinerin. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich auch eher den Profi wählen.


    Jeder hier schien eine Aufgabe zu besitzen und diese auch gewissenhaft auszuführen… und ich sass gerade nur rum und konnte nicht wirklich etwas tun. Niemand hat mir bisher einen Vorwurf gemacht, doch ich wusste, dass es so nicht ewig weitergehen konnte. Also beschloss ich wenigstens die Zeit zu nutzen und die Leute hier etwas kennen zu lernen, zumindest soweit und soviel, wie eben nötig war. Vielleicht fand ich so dann doch eine Sache, die ich auch in diesem Zustand erledigen konnte. Manche hier jedenfalls schienen nicht ihre wahre Identität zu nutzen… oder haben sie früher nicht genutzt, als ich sie kennen gelernt hatte. An sich überraschte mich das nicht. Auch ich habe schon oft falsche Namen verwendet, wenn mir gewisse Personen nicht geheuer waren oder ich in Situationen steckte, in denen man sich besser nicht an mich erinnerte.


    Vermutlich war das hier auch der Fall, wenn man bedachte, dass sie ein Problem mit den Reapern hatten… so wie ich wohl auch. Rachegedanken sind so eine Sache… in einem Moment bin ich entschlossen zu handeln und im nächsten kommen mir doch wieder meine Prinzipien in den Weg. Nun ja… jagen würde ich nicht. Ich war keine Jägerin. Aber verteidigen, werde ich mich auf jeden Fall, sofern es nötig sein sollte. Noch einmal lasse ich es nicht zu, dass sich die Geschichte wiederholt.


    Zum Glück musste ich auch aber nicht mehr so genau darüber nachdenken. Ich unterhielt mich kurz mit Natalaya. Sie schien mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu stehen und erst nachzudenken, bevor sie handelte. Das war wirklich angenehm, eine Person weniger, wegen der man sich Sorgen machen musste. Ihr Wodka hat es zudem wirklich in sich… er schmeckte auf jeden Fall, doch für meinen Geschmack war er etwas… stark. Lag aber wohl auch daran, dass ich normalerweise von jeglichem Alkohol die Finger liess. Er trübte das Urteilsvermögen… doch in solchen Situation war es manchmal gar nicht schlecht einfach mal abschalten zu können. Da ich weder Wache halten musste, noch sonst eine besonders schwierige Aufgabe zu erledigen hatte, die meine Konzentration erforderte, liess ich mich darauf ein.


    Etwas später unterhielt ich mich wieder mit Eric, der ebenfalls noch wach war. Er schien seine Vorsicht niemals fallen zu lassen, selbst wenn er gerade nicht für die Wache eingeteilt und sich hätte ausruhen können. Es war angenehm sich mit ihm zu unterhalten. Du hattest schon immer ein besonderes Gespür dafür, ob du Menschen trauen konntest, oder Lucy? Zumindest mehr als ich. Ich weiss, dass du ihm niemals die Zeichnung für mich mitgegeben hättest, wenn du dir unsicher gewesen wärst. Und so war es… mit ihm zu reden war unkompliziert. Ich kann zwar seine Leute noch nicht einschätzen, aber ich denke nicht, dass ich mir ihretwegen sonderlich grosse Sorgen machten musste. Womöglich war es ein Fehler aber… die Entscheidung hatte ich nun gefällt. Und mit den Konsequenzen würde ich leben.


    Worüber ich mir aber Sorgen machte, war Sam. Er wollte unbedingt zu diesem Radioturm und ist dann alleine dorthin aufgebrochen. Wäre ich nicht verletzt, hätte ich ihn natürlich begleitet, doch so war ich mehr ein Ballast als eine Hilfe. Bisher hat er sich aber noch nicht gemeldet… ich hatte das Funkgerät die ganze Zeit an und habe auch versucht ihn einmal anzufunken… doch nichts kam zurück. Natürlich, man hatte nicht immer Zeit auf sein Funkgerät zu achten. Ich wusste das und versuchte deswegen nicht gleich vom Schlimmsten auszugehen… aber dennoch… ich frage mich, wo er wohl gerade steckte.


    Hoffentlich war er nicht den falschen Leuten über den Weg gelaufen… nun ja, wenn er sich bis morgen nicht meldet, werde ich mir wohl irgendetwas einfallen lassen müssen. Generell würde ich mir in den nächsten Tagen überlegen müssen, was ich eigentlich will.


    Lu… wenn du irgendwo hier bist oder hierher unterwegs… dann sei vorsichtig. Ich will dich in diesem Leben noch einmal sehen und nicht erst im nächsten. Ich bin sicher du verfolgst bereits einen Plan und eine Strategie… ich hoffe eines Tages werde ich auch wieder Teil darin sein. Immerhin… sind wir noch die einzigen, die übrig sind.


    *Sie knallt das Notizbuch zu und schüttelt leicht den Kopf, ehe sie es dann zur Seite neben ihren Rucksack wirft.*

    *An die Wand gelehnt starrt Emily weiterhin auf den kleinen Zettel, den sie erhalten hat. Die Zeichnung darauf lässt sie lächeln, gleichzeitig jedoch wirken ihre Augen traurig und besorgt. Sie seufzt leise und legt die Zeichnung neben sich, ehe sie ihr Notizbuch greift und beginnt zu schreiben.*


    Ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll… so vieles ist an nur einem Tag passiert, dass ich meine Gedanken nicht einmal richtig ordnen kann. Es kommt nicht oft vor, dass ich keine Ahnung hatte, was ich als nächstes tun musste oder sollte, doch in der Scheune hatte ich wirklich einen Moment lang keinen Schimmer. In unserem Zustand kamen wir nicht weit… nicht weit genug um den Forderungen der Reaper Folge zu leisten und nicht weit genug, um es so zum Sägewerk zu schaffen, ohne vorher eine Kugel im Kopf zu kassieren. Doch es schien, dass ich mir die Nacht hindurch umsonst Sorgen gemacht hatte.


    Als der Morgen anbrach und Sam draussen nach Äpfeln suchte, bekamen wir unerwarteten Besuch. Im ersten Moment dachte ich wirklich, es wäre aus. Ich war so geschockt, dass ich mich im ersten Moment gar nicht bewegen konnte, als auf der anderen Seite der Scheune jemand stand, die Waffe im Anschlag und sie direkt auf mich gerichtet. Ich konnte nicht einmal genau darüber nachdenken, um wen es sich nun handelte, zu sehr war ich in meinen Gedanken gefangen… versuchte mit einen Plan zu überlegen, irgendetwas sodass ich reagieren konnte. Doch sie schossen nicht… und dann realisierte ich auch, dass es sich wohl nicht um Mitglieder der Reaper handelte.


    Jedoch schienen sie uns wohl erst für etwas… verdächtig zu halten. Ich konnte es ihnen nach allem was hier passiert war, nicht wirklich verübeln. Ich antwortete einfach auf die Fragen, die sie uns stellten. Als ich die Reaper erwähnte, schienen sie auf einmal hellhörig zu sein. Es handelte sich bei ihnen wohl um Leute vom Sägewerk… machte an sich irgendwie auch Sinn, doch zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht so ganz, ob wir damit nun ausser Gefahr waren oder nicht. Sie nahmen uns mit und brachten uns unbeschaded zum Sägewerk. Natürlich wollten sie sämtliche Informationen von uns, die wir ihnen geben konnten… die ich ihnen schliesslich auch gab.


    Warum? Nun… so sicher bin ich mir selbst nicht. Vielleicht weil das Wort «Rache» noch immer irgendwo da oben rumschwirrt. Nein… Rache an sich ist es nicht. Aber ich wollte verhindern, dass andere auch unter ihnen leiden mussten. Und auf diese Art und Weise konnte ich zumindest den ersten Schritt machen. Ich weiss nicht ob Sam meine Beweggründe versteht… nicht dass ich es ihm wirklich erklären könnte.


    Gewisse Dinge spürt man einfach… man muss ihnen nachgehen und sie tun, auch wenn man manchmal selbst nicht genau erklären kann wieso. Natürlich jedoch würde ich ihm weiterhin helfen seine Erinnerungen zu finden… sofern er das dann wollte. Ich wusste, dass ihm dieser Radioturm keine Ruhe liess… doch in diesem Zustand war ich ihn in keinster Weise eine grosse Hilfe. Ich wollte nicht, dass er geht, aber ich konnte es auch irgendwie verstehen. Aus diesem Grund versuchte ich auch nicht ihn aufzuhalten, als er sagte, dass er sich auf den Weg machen wollte.

    Gut, schlussendlich blieb er aufgrund von Schüssen und gewissen Ereignissen dennoch hier aber… das würde an der Sache selbst nichts ändern. Morgen konnte jedoch schon wieder alles ganz anders aussehen… nun ja.

    Ein paar bekannte Gesichter sah ich hier ebenfalls… einerseits dieser Typ, den ich damals in Gorka kennen gelernt hatte. Sein Name will mir gerade nicht einfallen, doch ich bin mir sicher, dass er es ist… auch wenn sich sein Verhalten irgendwie… verändert hat. Seine Ausstrahlung war anders und irgendwie wirkte sie besorgniserregend auf mich. Was genau es jedoch ist kann ich nicht benennen… vielleicht bildete ich mir auch einfach nur wieder gewisse Dinge ein, die gar nicht vorhanden waren.


    Tja… und dann tauchte Luna dort auf. Ein Freund von ihr war wohl ebenfalls vor dem Tor aufgetaucht… soweit ich es mitbekommen habe, gehörte er ebenfalls zu den Reapern. Sein Besuch hier bekam ihm wohl nicht sonderlich gut, auch wenn ich keine Details mitbekommen habe. Und dann ging es mit Luna los. Ich weiss wirklich nicht, was sie sich dabei dachte hierher zu kommen… selbst wenn sie unschuldig und nur ein Opfer gewesen war… sie hätte doch damit rechnen sollen, dass die Menschen hier ihr nicht mehr vertrauten und ihr kein Wort abkauften. Ich selbst war mir nicht einmal sicher, was ich davon halten sollte… wollte sie uns wirklich helfen oder war das nur Show? Ich hatte nicht wirklich Angst in ihrer Stimme gehört gehabt, als die Reaper ihr die Waffen entgegen gehalten hatten… mehr trotziges Gemecker… etwas was man doch nicht tut wenn man angedroht bekommt getötet zu werden.


    Aber wer bin ich über rationales Verhalten zu urteilen… vermutlich tat ich noch ganz andere verrückte Dinge. Tatsache war jedoch, dass ich ihr nicht glauben konnte und ich damit auch keine Ambitionen hatte, die Personen hier von ihrer Unschuld zu überzeugen. Ihre letzten Worte trafen mich auch nicht wirklich. Blut soll an meinen Händen kleben? Nun, damit mag sie vielleicht sogar Recht haben. Doch das hatte nichts mit ihr zu tun.


    Ich hatte es Sam schon gesagt… ich war nicht die, die er glaubte in mir zu sehen. Ich war keine unschuldige Seele, die sich nie ihre Hände schmutzig gemacht hatte. Auch wenn ich nicht stolz darauf war… gewisse Dinge kann man sich nicht aussuchen. Aktionen bringen Reaktionen mit sich… Entscheidungen brachten Konsequenzen mit sich.

    Welche Konsequenzen würden wohl meine Taten nach sich ziehen, Schwesterherz? Was wird deine Schwester, die einsame Wölfin wohl für eine Quittung erhalten? Doch bevor das alles kommt… werde ich dich wiedersehen… damit du mir abermals ein Bild eines Wolfes zeichnen kannst… so wie du es immer getan hast, wann immer du mich als einsame Wölfin betitelt hast… weisst du was? Ich schätze in gewisser Weise, hattest du von Anfang an recht.


    *Emily seufzt und klemmt das gezeichnete Bild zwischen die Seiten ihres Notizbuches, ehe sie es wegpackt.*

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    *Mit einem leicht schmerzverzerrten Gesicht greift Emily nach ihrem Rucksack und kramt nach dem Notizbuch. Sie wirkt aufgewühlt und verwirrt, gleichzeitig aber auch ernst und wütend.*


    Ich hatte es wohl wieder vergessen… ich dachte immer, dass ich gelernt hatte vorsichtig zu sein, dass ich nicht wieder dieselben Fehler machen würde, die ich bereits begangen hatte und dennoch wurde ich heute eines Besseren belehrt. Nur weil ich glaubte, dass es nicht schaden konnte, an weitere Informationen zu kommen. Nein, ich hätte meinem Grundsatz einfach treu bleiben sollen… fernbleiben wäre wohl die beste Entscheidung gewesen und dennoch habe ich sie nicht gefällt. Weil ich wohl einfach nur wieder zu dumm und zu naiv war.


    Der ursprüngliche Plan umfasste eigentlich eine Reise weiter in den Süden, von Lopatino über Vybor und runter nach Kabanino und andere Ortschaften in dieser Gegend. Doch nachdem ich am Brunnen diesen Zettel entdeckte, verwarf ich unseren Plan. Ich hielt es für eine gute Idee, diesen Ort auszukundschaften, denn sie Edens Gate nannten. Es war an sich immer gut zu wissen, wo sich Menschen befanden und was man von ihnen zu erwarten hatte, nur heute… ging dieser Gedanke wohl nach hinten los. Sam und ich entschlossen uns das Sägewerk erst einmal von Weitem zu betrachten und zu beobachten, damit wir uns mehr oder weniger ein Bild davon machen konnten, was uns da oben erwarten würde. Tatsächlich sahen wir auch einige Personen, darunter wohl auch Söldner, die das Tor zu bewachen schienen. Zumindest gehe ich davon aus, immerhin stand auf dem Zettel auch etwas von Söldnern, denen es erlaubt war eine Waffe zu tragen.


    Doch weiter kamen wir nicht mit ihnen. Wir folgten der Hauptstrasse weiter in Richtung Osten um uns im nächsten Ort ersteinmal eine sichere Bleibe für die Nacht zu suchen, die wir an sich dann auch fanden.. nur war sie nicht wirklich sicher. Gerade als ich dachte, dass der heutige Tag erledigt wäre, hörten wir von draussen Stimmen. Sofort legte ich mich auf den Boden, sodass man mich auch durch die kaputten Fenster nicht sehen konnte und richtete meine Waffe gegen die verschlossene Tür. Doch genau diese schien die Personen aufmerksam werden zu lassen. Einer von ihnen schoss die Tür auf und wollte eintreten, entschied sich aber sofort wieder um als er mich mit gezückter Waffe im Anschlag entdeckte.


    Ich ahnte bereits, dass es kein gutes Ende nehmen würde… spätestens als ich die beiden sah. Vermummte Gesichter, schwere Waffen… und redeten solch einen Schwachsinn, dass nicht einmal ein Begriffsstutziger ihnen ein Wort abgekauft hätte. Ich hätte einfach gleich schiessen sollen… ja das hätte ich. Keine Fragen, kein Versuch es friedlich zu lösen… diese Zeiten waren wohl einfach vorbei. Doch ich tat es nicht. Stattdessen versuchte ich durch ein Gespräch eine mehr oder weniger friedliche Lösung zu finden. Auf die Frage hin, ob ich alleine war, antwortete ich bloss mit einer Gegenfrage… als würde ich einfach so bildfremden Menschen verraten, dass sich noch jemand oben im Haus befand. Nun gut… im Endeffekt hätte ich wohl die Wahrheit sagen sollen.


    Es kam wie es kommen musste… und ich hatte es verdammt nochmal im Gefühl! Sie erhoben die Waffen und uns blieb keine Wahl, als nach ihrer Pfeife zu tanzen. Nun, viel nahmen sie nicht… etwas Munition, einiges an Essen und meinen Baseballschläger. Doch weil ich in ihren Augen darüber gelogen hatte, ob ich alleine war, musste wohl eine Strafe folgen. Ja ich kannte dieses Spiel… diese offensichtliche zur Schaustellung von Dominanz. Ja natürlich waren sie am längeren Hebel… es wäre dämlich gewesen zu versuchen den Spiess umzudrehen. Weder ich noch Sam waren so geübt mit einer Waffe, dass wir die beiden hätten in einem ernsten Gefecht ausschalten können.


    Sam kam wenigstens mit einer Prellung oder Quetschung davon.. was genau es sein wird, wird wohl erst die Zeit zeigen. Ich jedoch hatte wohl ein gebrochenes oder angebrochenes Schienbein. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen, versuchte den Schmerz einfach runterzuschlucken und die Zähne zusammenzubeissen. Ganz gelang mir das natürlich nicht… ich war immerhin auch nur ein Mensch… klein und dünn wie der eine so schön sagte. Dennoch sollte er sich nicht zu sehr über meinen Baseballschläger freuen… früher oder später werde ich mir das Ding schon zurückholen, auf die eine oder andere Art.


    Nachdem sie uns in einem alten Schuppen einsperrten, dachte ich eigentlich die Sache hätte sich erledigt. Doch plötzlich tauchten sie wieder auf, dieses Mal mit mehr Leuten und einer Frau namens Luna. Ein eher ungewöhnlicher Name… vielleicht war das auch nur eine Art Deckname, oder sie war tatsächich unfreiwillig bei ihnen... so ganz klar war mir das in diesem Moment nicht. Dann gab es noch einen, den sie Ivan nannten. Ziemlich unfreundlicher Geselle. Ich schätzte, dass er wohl ncht gezögert hätte uns einfach zu erschiessen oder zu Tode zu prügeln, hätte sein «Boss» ihn nicht davon abgehalten. Doch ihre Worte bezüglich des Sägewerks waren deutlich und ich war mir sicher, dass sie dieses Mal nicht an Kugeln sparen würden, sollten wir uns dorthin auf den Weg machen.


    Doch etwas musste ich tun. Es konnte nicht schon wieder von Neuem mit diesem Mist beginnen. Ich weiss nicht wie Sam darüber denkt aber… ich will auf keinen Fall, dass ihm etwas passiert. Und doch wurde er heute meinetwegen verletzt. Das muss endlich aufhören. Zu viele sind in solchen Situationen nun schon draufgegangen und ich habe immer wieder durch Glück und Umstände überlebt. Vielleicht wurde es langsam Zeit, etwas zu ändern… selbst wenn dies eventuell eine Wendung nimmt, die mir selbst nicht wirklich gefallen wird.


    Ärzte nehmen keine Leben… sie retten sie… versuchen es zumindest. Danach hatte ich viele Jahre lang gelebt und versucht es umzusetzen. Doch vielleicht war die Zeit gekommen, dass ich dieses Prinzip nochmals überdenken sollte.


    Ich hatte sie nicht angelogen als ich sagte, dass es für mich kein Gut und Böse gibt… solch eine Einschätzung war immer subjektiv bestimmt… doch für mich war nun eines klar: Die Reaper hatten sich ihren Platz in meiner Sicht nun ausgesucht.


    *Emily legt das Buch beiseite und prüft noch einmal die provisorische Schiene, die sie um ihr linkes Schienbein angelegt hat. Kurz wirft sie einen Blick auf die Schmerztablette, die sich noch in ihrer Veste verstaut hat, schüttelt dann aber den Kopf.*

    *Emily blickt aus dem Fenster des Hauses, in welchem sie bereits einige Zeit verbracht hat. Sie seufzt leise, während sie draussen auf dem Feld einen Infizierten beobachtet, wie er schlurfend seine Runden zieht. Schlussendlich greift sie nach ihrem Notizbuch und beginnt zu schreiben.*


    Alleine unterwegs zu sein hat Vor- sowie auch Nachteile. Wichtig war nur, dass jeder für sich selbst entschied, in welchem Verhältnis diese beiden Begriffe zueinander standen. Ich persönlich konnte mich nicht wirklich dafür entscheiden, wofür genau ich mich nun entscheiden wollte. An sich habe ich gelernt, dass es einfacher war alleine unterwegs zu sein. Vielleicht nicht einfacher zu überleben, aber emotional war es definitiv von weniger Fehlschlägen begleitet. Wenn man alleine reiste, fällte man auch alleine Entscheidungen und musste alleine mit den Konsequenzen fertig werden. Es gab dann keine anderen, die auch noch darunter leiden konnten. Und dieser Gedanke gefiel mir eigentlich ganz gut. Meinetwegen sollte sich niemand mehr in Gefahr bringen, zu viele hatte ich nun bereits sterben oder verschwinden sehen… es war genug. Schon oft habe ich mich gefragt, ob andere noch leben würden, wenn ich damals in der Scheune einfach behauptet hätte, dass alles meine Schuld gewesen wäre… wenn ich die Schuld und auch die Tat selbst auf mich genommen hätte… doch so wie ich diese Menschen kennengelernt hatte, spielte es wohl keine grosse Rolle… sie hätten uns dennoch alle büssen lassen. Oder vielleicht versuchte ich mir das alles gerade auch nur einzureden, um mich wenigstens etwas besser zu fühlen.


    Schon so oft hatte ich mir vorgenommen, mich nicht mehr an andere zu binden und nicht in ihren Erinnerungen zu bleiben. Keiner sollte meinen Namen mit irgendwelchen Gefühlen verbinden, egal ob sie schlecht, gut oder neutral waren. Das zu erreichen erforderte jedoch einiges an Arbeit und eine gewisse strenge Hartnäckigkeit meinerseits… die ich leider oftmals nicht wirklich durchsetzen konnte.


    Sam war die einzige Ausnahme und würde auch die einzige bleiben. Allein wegen der Tatsache, dass ich womöglich die einzige war, die ihm helfen konnte seine Erinnerungen wiederzubekommen. Er hatte es nicht verdient… wieso hatte so etwas ihn erwischt und nicht mich? Ich wäre dankbar dafür gewesen, gewisse Erinnerungen loszuwerden, die mich jede Nacht verfolgten und daran hinderten zu schlafen. Apropo… die Schlaftabletten gehen mir langsam aus. Ich dachte ich hätte mehr, doch viele der Tabletten schienen beschädigt und damit keine Option mehr. Beschädigte oder verunreinigte Medikamente und Pillen zu nehmen war in solchen Zeiten mehr als nur dämlich. Ich musste mich also bald wieder auf die Suche danach machen, andererseits würde ich wohl schon bald zusammenklappen. Das wollte ich Sam nicht zumuten…


    Nachdem ich nun einige Tage alleine unterwegs gewesen war und kaum eine Menschenseele begegnet war, ertappte ich mich auch wieder häufiger dabei, wie ich in meinen Gedanken versank… und dann begann zu dir zu sprechen Schwesterherz. Ich frage mich wirklich, wo du gerade bist und ob du genauso mit gewissen Problemen zu kämpfen hast wie ich. Ich hoffe es nicht… du bist klüger als ich, bestimmt hast du eine bessere Art und Weise gefunden, um mit dieser Welt nun klarzukommen.


    Vielleicht war es langsam auch wieder an der Zeit, das Funkgerät ab und an einzuschalten und durchzuhören. Informationen konnten wertvoll aber oftmals auch gefährlich sein. Dennoch… da in Kabanino nun nichts mehr zu sein schien, mussten sich die Leute irgendwo anders aufhalten. Es war besser zu wissen wo sie waren, als plötzlich mittendrin zu stehen. Noch immer frage ich mich, was das für eine Gruppe gewesen ist, die ich vor 2 Tagen gesehen hatte. In grün gekleidet und soweit ich es erkennen konnte, schwer bewaffnet, zogen sie im Norden entlang. Ich konnte nicht erkennen, was genau sie da taten…


    möglicherweise suchten sie nur etwas oder waren dabei nach Vorräten Ausschau zu halten, doch ich kam ihnen nicht nahe genug um es herauszufinden. Ich weiss nicht, ob sie mich gesehen hatten… wenn ja, dann hatten sie sich wohl offensichtlich nicht grossartig für andere Personen hier interessiert.


    Was auch immer… ich musste mir langsam einen Plan zusammenstellen. Einfach nur von Tag zu Tag zu leben würde nun nicht mehr funktionieren. Nicht jetzt, wo ich Sam wiedergefunden hatte. Diese Einstellung würde ihn nur in Gefahr bringen und das riskierte ich nicht noch einmal. Ich…


    *Der Eintrag scheint noch nicht fertig zu sein, doch an dieser Stelle bricht Emily das Schreiben ab.*

    *Als Emily in ihr Funkgerät spricht, ist ihre Stimme realtiv ruhig und besonnen, wenn vielleicht auch etwas heiser klingend.*

    Sam... hier ist Emily.

    Ich bin die Strasse weiter zu einer etwas grösseren Stadt um mich dort nach Vorräten umzuschauen. Für die nächsten 3 bis 4 Stunden werde ich mich dort in der Nähe aufhalten.
    Sofern du also kannst, komm dort hin.
    Ansonsten werde ich mich in spätestens 2 Tagen wieder auf den Weg zurück machen.

    *Wie bereits die zwei Nächte zuvor, kann Emily nicht wirklich schlafen. Nach einem letzten Kontrollgang durch das Haus, lässt sie sich in einer Ecke nieder und beginnt wieder zu schreiben.*


    Ich hatte ja nie wirklich etwas mit den Leuten aus Kabanino zu tun gehabt, doch überraschten mich die Ereignisse von denen ich so hörte, nicht im Geringsten. Der Bürgermeister hatte wohl Suizid begangen und der Rest der Gruppe drehte wohl gerade durch. Zumindest wenn ich den Erzählungen Glauben schenken durfte. Aber ja, von der Art und Weise her klang es nicht viel anders, als in anderen Siedlungen, die einst aufgebaut und dann wieder auseinandergebrochen waren.


    Wie lange es wohl dauert, bis sie begriffen haben, dass es so etwas wie eine sichere und zivilisierte Zuflucht nicht geben kann, solange es auch nur einen Menschen gibt, der anders denkt oder andere Ziele verfolgt? An sich kann es mir ja egal sein, ich habe meine Gründe, weshalb ich mich von solchen Orten fernhalte und nie zu lange an einem Ort bleibe. Nur wer in Bewegung bleibt, minimiert das Risiko gefunden zu werden. Ich bezweifle stark, dass auch nur einer von denjenigen, die ich flüchtig kennen gelernt hatte, wissen würden, wo sie nun nach mir suchen sollten. Und das war auch gut so.


    Die Begegnung mit diesen beiden Typen in Vybor bestätigte meine Ansichten nur noch mehr. Die beiden waren so selbstsicher, dass es mich wunderte, dass sie nicht über ihre halluzinierten Eier stolperten und auf die Nase knallten. Es war an sich keine sonderlich überraschende Eigenschaft, ich hatte bisher kaum Söldner getroffen, die nicht so sehr von sich überzeugt waren. Ach ja, wie ich solches Getue doch hasste. Und meistens waren es genau diese Kerle, die ihren Schwanz einzogen, sobald es mal wirklich galt Stärke zu beweisen.


    Vielleicht tat ich ihnen unrecht, wenn ich sie bereits in diese Schublade steckte, allerdings hatten sie keine grossen Versuche unternommen, mich irgendwie vom Gegenteil zu überzeugen. Nicht, dass ich das wollte, ich war eher darauf aus, ihnen aus dem Weg zu gehen und es gar nicht soweit kommen zu lassen, dass sie meine Ansichten bestätigen konnten.


    Daniel jedoch schien okay zu sein. Ich konnte ihn zwar nicht einschätzen, doch Sam schien ihn wohl flüchtig zu kennen, genug jedenfalls, um ihm anzubieten, mit uns hu kommen, anstatt in Vybor auf diese Maria zu warten, die laut den beiden Söldner wohl schon seit Tagen nicht mehr aufgetaucht war. Keine grosse Überraschung… in solchen Zeiten konnte jeder Tag der Letzte sein, dass Menschen also plötzlich verschwanden, war nichts Ungewöhnliches.


    Und dann noch dieser James West… ein ziemlich eigenartiger Typ, der wohl wirklich nicht mehr sonderlich viel zu verlieren hatte, anders konnte ich mir nicht erklären, wieso er einfach mal so in ein Haus platzte, welches offensichtlich nicht nur von einer Person bewohnt wurde. Hätten wir gewollt, hätten wir ihn ohne Probleme festsetzen und ihm alles abnehmen können. Er trug zwar einen Revolver bei sich, hatte diesen aber weder in der Hand, noch war er besonders aufmerksam, ob er diesen eventuell irgendwann ziehen sollte.


    Es war wohl ein schmaller Grad zwischen Mut und Dummheit, doch in meinen Augen, hatte sein Verhalten mit Mut nicht viel zu tun. Mut wofür? Dass er es in Kauf nahm über den Haufen geschossen zu werden? Es ging in solchen Zeiten nicht darum Mut zu beweisen oder nicht, sondern zu wissen, wie man überleben kann, ohne zu vergessen wie man lebt. Was dieser Typ da tat, hatte weder mit dem einen, noch dem anderen wirklich etwas zu tun. Aber zum Glück ist es nicht an mir zu entscheiden, was er tat und was nicht. Seine Quittung erhielt jeder am Ende, bin mal gespannt welche Art er dann erhält.


    Davon jedoch abgesehen, war der heutige Tag wohl nicht so erfolgreich, wie Sam gehofft hatte. Der Turm hatte zwar Erinnerungen in ihm geweckt, doch ich konnte ihm ansehen, dass er sich wohl mehr von diesem Ausflug erhofft hatte. Doch es brauchte einfach Zeit… und jede Menge Geduld. Es war bereits ein grosser Fortschritt, dass er sich überhaupt an etwas erinnern konnte. Es wäre zwar gelogen zu behaupten, dass ich nicht neugierig war, wie lange es wohl dauern würde, bis er sich an mich erinnerte… oder an was er sich im Bezug auf mich erinnerte, doch ich hatte es damit nicht wirklich eilig. Vielleicht weil ich selbst nicht sicher war, wie er wohl nun darüber denken würde… über gewisse Dinge.


    Sobald wir den nächsten sicheren Ort finden, muss ich wohl auch mal wieder eine Tablette einschmeissen… ein paar Powernaps und einige Minuten des Dösens waren wohl zu wenig zwischen 72 Stunden wach sein… ich weiss es… aber ich kann es anders nicht beeinflussen. Aber sobald ich kann, sollte ich wieder mehrere Stunden am Stück schlafen, ansonsten würde der Sekundenschlaf wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Halluzinationen und plötzlich eintretender Schlaf konnte ich nun wirklich nicht gebrauchen… ganz zu schweigen davon, dass viele als Nebeneffekt langsam aber sicher ihren Verstand verloren.


    *Emily seufzt und reibt sich ihre übermüdeten Augen. Die dunklen Ringe zeichnen sich wieder deutlich von ihrer Haut ab. Das Notzbuch verstaut sie anschliessend wieder an seinem Platz.*

    *Emily sitzt mit geschlossenen Augen auf einem Hügel und geniesst noch die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Die Ruhe um sie herum scheint eine nette Abwechlsung zu sein, nebst den von Infizierten verseuchten Städten. Sie lehnt sich etwas zurück und greift nach ihrem Notizbuch um zu schreiben.*


    Gewisse Dinge kann man mit Worten nicht beschreiben oder erklären. Vielleicht war auch das der Grund, wieso ich hin und wieder alleine meine Wege gehen musste. Hier oben habe ich das Gefühl etwas Abstand von all den Problemen nehmen zu können, die diese Welt gerade bot. Aber jetzt wieder alleine zu sein, fühlt sich irgendwie doch wieder etwas komisch an. Zuerst fand ich es seltsam wieder mit jemandem unterwegs zu ein und jetzt… hatte ich mich schon wieder daran gewöhnt. Obwohl ich noch immer nicht so recht weiss, wie genau ich mich Sam gegenüber verhalten soll. Es ist schwer mit jemandem zu reden, den ich sehr wohl kannte… er mich aber wohl noch immer mehr wie eine Fremde sah. Ich kannte das Gefühl das er durchmachte… Amnesie ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, weder für denjenigen, der sie gerade erlebte, noch für die Personen um ihn herum.


    Ich wusste nie so recht, wie vertraut oder eben nicht ich mit ihm sprechen sollte. Mir persönlich hatte es Angst gemacht, wenn für mich fremde Menschen geredet und sich verhalten haben, als würden wir uns schon seit Ewigkeiten kennen. Es wirkt einschüchtern… da man das Gefühl bekommt, dass andere dich besser kannten als du selbst. Sie schienen zu wissen, welche Art von Mensch du bist… aber du selbst nicht.


    Vielleicht mache ich mir deswegen so viele Gedanken darüber, was er wohl gerade denkt. Mit Gorka hatte ich gehofft, dass er sich vielleicht an etwas erinnern könnte… konnte er auch, allerdings hatten diese Erinnerungen wohl eher weniger was mit dem zu tun, was wir in Gorka immer gesucht hatten. Dieser Radioturm weckte Erinnerungen in ihm, von denen ich wohl ebenfalls nichts wusste. Ich meine, klar, wir sind an ihnen vorbei gekommen, aber er hatte nie wirklich etwas dazu erwähnt gehabt.


    Ach, das ganze ist so kompliziert. Ich will ihm helfen, aber gleichzeitig habe ich das Gefühl nicht gerade die ideale Person dafür zu sein. Ich hatte selbst Probleme, die ich zu lösen versuchte und war sozial gesehen vielleicht auch nicht gerade die beste Begleiterin, aber… naja ich denke trotzdem, dass ich solange er es möchte, ihm auch helfen werde. Wobei… wenn er sich an diese eine Sache erinnert, die ich ihm im Vertrauen erzählt hatte… wer wusste schon, ob er dann noch meine Hilfe wollte. Vor allem wenn er sich zuerst daran und an nichts anderes erinnerte… ja dann war es das wohl. Zumindest vermutete ich es.


    Aber dennoch, jetzt einen Rückzieher zu machen wäre feige… es gibt noch einige Orte, an denen er sich vielleicht wieder an etwas erinnern könnte. Ich weiss nur nicht, ob er dafür schon bereit war oder ob ich ihn lieber selbst nach diesen Orten suchen lassen sollte. Immerhin kam ihm das Reisen bekannt vor… er schien sich doch etwas daran zu erinnern, dass wir zusammen meist unterwegs gewesen waren. Zu lange an einem Ort war gefährlich… das war eine wichtige Regel, die ich lernen musste und so schnell würde ich sie auch nicht brechen wollen.


    Was die Menschen in Kabanino anging… das würde ganz bestimmt nicht lange gut gehen. Ich hatte nicht viel gesehen und mich mit den Menschen dort auch nicht unterhalten, doch was ich so hörte und was ich selbst dann gesehen hatte, war genug um das zu wissen. Früher oder später würde es dort krachen, auf die eine oder andere Art und ich wollte nicht dabei sein, wenn es soweit war. Sam schien dort zwar bekannt zu sein, aber dennoch… nein. Auf so etwas würde ich mich nicht wieder einlassen.


    Hm… es wird bereits wieder dunkel. Ich schätze ich muss mich langsam wieder auf den Weg machen, ehe Sam wieder zurück bei diesem Pub ist und glaubt ich würde nicht mehr zurückkommen.

    *Sie packt ihr Notizbuch und alles andere wieder zusammen und steht auf, ehe sie sich wieder auf den Weg machen würde. Im Schutz der Dunkelheit würde man sie wenigstens nicht gleich entdecken können.*

    *Emily sitzt in einer der Ecken des Hauses, eine Decke über den Kopf gezogen, sodass nur ihr Gesicht zu sehen ist. Neben ihr steht zwar ein Bett, doch das scheint sie nicht wirklich wahrzunehmen. Stattdessen starrt sie auf die noch leeren Seiten ihres Notizbuches, ehe sie mit einem schwarzen Stift beginnt zu schreiben.*

    Lucy… tut mir Leid, dass ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe… ich brachte es nicht über mich. Alleine unterwegs zu sein hat seine Vorteile, aber es birgt auch Gefahren… und ich rede nicht davon, überfallen und getötet zu werden… der Verstand beginnt dir Streiche zu spielen, wenn du zu lange alleine bist… ich wollte es nicht wahrhaben, aber es ist wohl so. Wie oft hatte ich geglaubt jemanden oder etwas zu sehen und dabei war ich völlig alleine? Zu oft… und doch realisiere ich es erst jetzt. Jetzt, wo ich für einen kurzen Moment wieder Hoffnung in mir aufflammen spürte.


    Weisst du, ich dachte wirklich er wäre tot… nachdem ich einen blutbefleckten Fetzen seiner Jacke und keine Spur von ihm gefunden habe, ging ich davon aus, dass er erwischt worden war. Es ist Monate her… viele Monate glaube ich, seidem ich anschliessend alleine unterwegs gewesen bin… und jetzt taucht er plötzlich auf der Türschwelle von dem Haus auf, in dem ich mich die letzten Tage versteckt hatte und versuchte wieder zu Kräften zu kommen.


    Er lief einfach an mir vorbei, sagte nichts und sah mich kaum an… als würde er nicht wissen, wer ich bin. Schwesterherz… ich glaube du kennst dieses Gefühl… wir beide haben es schon so oft erlebt und eigentlich hatte ich gedacht, dass mich so etwas nicht mehr erschüttern könnte. Wie falsch ich damit lag.


    Als ich ihn sah, rauschte die Nacht nochmals an mir vobei. Ich hörte das Wolfsgeheul , das langsam aber stetig in unsere Richtung schwirrte, das Gestöhne und Gekreische der Infizierten, die uns bereits im Nacken sassen und die vielen Schüsse, mit denen wir verzweifelt versuchten uns aus dieser Situation zu retten. Lucy es war meine Schuld… ich weiss, du würdest nun das Gegenteil behaupten, doch genauso wars. Er rief mir damals zu, dass ich rennen soll… und ich rannte, versuchte den Weg freizuschiessen, drehte mich immer wieder um, sodass ich ihn noch sehen konnte… doch dann… war er auf einmal weg.


    Ich verschanzte mich in einem der Häuser und schoss auf alles, was sich darum bewegte. Erschoss die Infizierten durch die Fenster, genauso wie einen Wolf, der sich wohl mich als Beute ausgesucht hatte. Erst als es draussen ruhig war, wagte ich es das Haus zu verlassen. Ich rannte so schnell ich konnte in die Richtung, in der ich Sam das letzte Mal gesehen hatte… doch ich fand ich ihn nicht… nur diesen vor Blut triefende Fetzen seiner Jacke. Ich dachte mir meinen Teil dabei… wer hätte das nicht?


    Dass er nun wohlbehalten vor mir stand, konnte ich nicht glauben. Doch als ich ihn fragte, wer er ist… nannte er mir einen völlig anderen Namen. Ich sah in seinen Augen, dass er nicht log. Er erkannte mich nicht… für ihn war ich wohl eine völlig Fremde. Dieses Gefühl lässt sich mit Worten nicht beschreiben. Doch anstatt meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, unterdrückte ich sie, wie ich es schon so oft getan habe. Tat so, als würde es mich nicht sonderlich belasten, dass er nicht wusste, wer ich bin.


    Ich konnte ihn davon überzeugenn, dass ich wusste er er ist… indem ich ihm einige Dinge sagte, die ansonsten niemand einfach so wissen konnte… aber dennoch fühlt es sich anders an. Seine Amnesie… womöglich war auch sie durch mein Verschulden passiert… weil ich zu lange gewartet hatte. Tage hatte ich mit der Suche nach ihm verbracht, doch es war zu spät gewesen… ich hätte nicht so weit vorlaufen sollen… ich hätte umdrehen sollen. Wieder ein Fehler, den ich mir wohl nie verzeihen werde. Aber so war es wohl… das war wohl meine Bestrafung.


    Ich durfte jemanden treffen, dem ich einst verbunden war… doch diese Person erkennt mich nicht mehr. Ach ja… das Leben schafft es immer wieder mich auf den Boden zu ringen, selbst wenn ich überzeugt davon bin, dass mich nichts mehr verletzen kann. Ist okay… ich habe es verstanden.


    Sam fragte mich, ob er mich im Stich gelassen hätte… typisch für ihn… er suchte die Schuld ständig bei sich… obwohl wohl ich diejenige gewesen war, die ihn zurück gelassen hatte. Doch ich brachte es nicht über mich, es ihm zu sagen. Ich hatte Angst… Angst, dass er dann gleich wieder verschwinden würde. Er hatte keine Verbindug zu mir… momentan jedenfalls nicht. Trotz allem, was wir zusammen erlebt hatten, war ich noch immer eine Fremde für ihn. Was also hätte ihn davon abgehalten wieder zu gehen, wenn ich ihm sagte, wie feige ich gewesen war?


    Zumindest aber scheint er jemanden an seiner Seite zu haben, der wusste wie man auf sich aufpasste… keine Ahnung was ich von diesem Spanier halten soll… oder Mexikaner? Auf alle Fälle spricht er mit einem spanischen Akzent. Vermutlich nicht die Sorte von Mensch, mit der man sich anlegen wollte, aber es war mir egal. Solange er mich in Ruhe liess, würde auch ich ihn in Ruhe lassen, völlig egal, was er alles schon getan hat oder im Begriff war zu tun. Ich weiss zwar nicht wie Sam zu ihm steht, doch scheint er ihm nichts Böses zu wollen. Im Gegenteil, er wirkte auf mich beinahe so, als würde er sich sogar etwas Gedanken um ihn machen. Mag vielleicht aber auch nur Einbildung sein…


    Jedenfalls Lucy… ich weiss nicht, was ich nun tun soll. Es ist schwer für mich mit jemanden umzugehen, der so lange mit mir unterwegs war und an sich mehr von mir wusste, als alle anderen… und sich jetzt an nichts mehr erinnern kann. Es ist… ach ich weiss nicht… ich werde mir in ein paar Stunden Gedanken darüber machen… ich habe seit 3 Tagen nicht mehr geschlafen… vermutlich wurde es langsam mal wieder Zeit . Plötzlich eintretender Sekundenschlaf konnte ich wirklich nicht gebrauchten und umkippen wollte ich ebenfalls nicht.


    Aber… sollte ich versuchen ihn die Erinnerungen wiederzugeben…? Oder sollte ich es dabei bewenden lassen und weiterhin alleine weiterziehen? Es war nicht so als… wäre ich ein grosser Verlust und da er sich ohnehin nicht erinnern kann… vielleicht sollte ich einfach aus seinem Leben verschwinden… ja vielleicht… auch wenn es mir sicherlich erneut das Herz zerreissen wird. Aber für ihn war es womöglich das Beste…


    *Die junge Frau seufzt und legt das Notizbuch zurück in den Rucksack, ehe sie zu einer kleinen Dose greift und zwei der Tabletten mit Wasser runterspült. Ihre Augen schliessen sich daraufhin, sodass ihre dunklen Augenringe von ihren Wimpern leicht verdeckt werden.*

    Oh achso xD Also ich hab zwei in diesen Holzhütten gefunden, die auch n Kamin drinnen haben. Vielleicht hast du da ja Glück :)
    Ich hab gestern 3 von den Dingern gefunden xD Bei Novo Hätte ich das mal gewusst hätte ich dir welche mitgenommen xDD

    Grundinformationen
    Name: Emilia Moore
    Bekannt als: Emily
    Alter: 27 Jahre alt
    Herkunft: England
    Aufgewachsen in: Schweiz
    Früherer Beruf: Behält sie für sich
    Sprachen: Schweizerdeutsch, Deutsch, Englisch, etwas Italienisch

    Äusserliche Merkmale
    Grösse: 1.57 m
    Gewicht: 50 kg
    Haare: Schwarze, leicht gelockte lange Haare, naturfarben
    Augen: Grau-blauge Augen
    Körperbau: Eher klein und zierlich gebaut, dem Umständen entsprechend wohl auch etwas dünn.
    Tattoos: Eines, jedoch sieht man es unter normalen Umständen nicht.
    Narben: Diverse, die man unter normalen Umständen jedoch nicht sieht.

    Geschichte

    Auszug aus einem der ersten Notizen und Philosophien:

    «Über mich gibt es bestimmt eine ganze Menge zu erzählen, so wie über jeden Überlebenden, der es bis hierher geschafft hat ohne zu sterben oder komplett den Verstand zu verlieren. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass ich anderen meine Geschichte nicht erzählen will. Wieso? Ich denke der Grund dafür liegt auf der Hand. Informationen und Wissen könen gefährlicher sein als eine geladene Automatikwaffe. Wer weiss, wie er dich zu manipulieren hat, kann dich dermassen in die Enge treiben und dazu bringen gewisse Dinge zu tun, ohne dass er dich dafür ein einziges Mal mit einer Waffe bedrohen muss.

    Vielleicht waren diese Erfahrungen der Grund, wieso ich nicht fähig war in einer Art Siedlung zu leben. Schon oft hatte ich welche gefunden, schon oft wurde ich eingeladen zu bleiben und meinen Teil zu dieser Gemeinschaft beizutragen, doch ich lehnte jedes Mal ab. Ich war nicht dafür geschaffen… ich hatte die Fähigkeit verloren, mich vollständig auf andere zu verlassen.

    Was ich in meinem früheren Leben getan habe oder wer ich damals gewesen bin, tut nichts mehr zur Sache. Es ist nicht wichtig, wer man in der alten geordneten Welt war, sondern nur noch, wer man jetzt ist und was man bereit ist zu tun. Viele mögen das vielleicht anders sehen, doch für mich entspricht das der einzigen Logik. Vielleicht lag das aber auch einfach daran, weil ich keine Notwendigkeit dafür sah, andere an meiner Vergangenheit teilhaben zu lassen. Nein, sie brauchten nichts daraus zu wissen, sie brauchten mich nur hier und jetzt zu akzeptieren oder eben nicht. Wer mich und meine Vergangenheit erst kennen musste, sollte seine Zeit nicht verschwenden und besser gleich wieder umdrehen und sich jemand anderen suchen.

    Nach allem was ich gesehen und erlebt habe, frage ich mich wirklich, wie es zu all dem gekommen war. Vermutlich werde ich aber niemals eine Antwort darauf finden und dennoch brannte sich diese Frage in meinen Kopf. Lucy… wenn du jetzt hier wärst, würdest du bestimmt wieder diverse haarsträubende Theorien aufstellen, wie all das passiert ist. Zu gerne würde ich jetzt deinen Worten lauschen und bemerken, wie ich durch dich wiedr anfange zu lächeln. Ja Schwesterherz… du fehlst mir, mehr als ich jemals gedacht hätte. Und das Unwissen darüber, was mit dir passiert ist, treibt mich häufig an den Rand des Wahnsinns.

    Aber solange ich kann, werde ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass du noch lebst und wir uns eines Tages wiedersehen. Bis dahin werde ich versuchen zu überleben… genauso wie du es auch tun würdest kleine Schwester. Bestimmt hast du dich mit einer Gruppe angefreundet, die dir den Rücken freihält und erzählst von mir, der eigenbrötlerischen einsamen Wölfin, wie du mich früher immer genannt hast. Bestimmt werden sie es dir nicht glauben, denn du bist das genau Gegenteil von mir… nun ja, nicht das genaue Gegenteil, aber in gewissen Dingen unterscheiden wir uns grundlegend… und genau das habe ich immer so geschätzt.

    Ich sollte aufhören darüber nachzudenken. Sobald die Sonne wieder aufgeht, werde ich mich wieder auf den Weg machen. Zu lange an einem Ort zu bleiben kann gefährlich werden… und nochmals will ich auch nicht 2 Tage in einem Haus verweilen, weil ein Rudel Wölfe mich entdeckt hatte.

    Nein… soweit werde ich es nicht noch einmal kommen lassen.»

    Über Emilia:

    Emilia wuchs nicht in Chernarus auf, sondern kam kurz vor der Apokalypse in dieses Land, ohne wirklich eine grosse Ahnung zu haben, dass sie damit wohl ihr Leben rettete. Zusammen mit ein paar Bekanntschaften aus der Uni, verschlug es sie in die nördlichen Regionen des Landes. Was genau sie dort suchten ist nicht wirklich bekannt, wobei sich Emily wohl nach Ausbruch der ganzen Kriese zusammen mit 3 weiteren Leuten eine ganze Zeit lang in einem Keller versteckte.

    Zwei davon überlebten die ersten Wochen nicht. Sie versuchten draussen zu überleben und wurden von den Infizierten überrascht, noch bevor sie ausser Sichtweite waren. Was jedoch nebst Emily aus dem Letzten geworden ist, ist nicht bekannt. Emily redet nicht darüber und blockt jegliche Fragen dazu ab. Ob dieses Ereignis alleine sie zu dem gemacht hat, was sie nun ist, kann wohl nur sie selbst beantworten. Fakt ist, dass Emily sich in grösseren Menschengruppen alles andere als wohl fühlt. Allgemein scheint sie Menschen gegenüber eher misstrauisch und skeptisch eingestellt zu sein.

    Welche Ziele sie verfolgt ist ebenfalls nicht ganz klar, genauso wenig nach welchem Muster sie ihre nächsten Ziele und Destinationen aussucht.

    Mehr über sie kann sehr gerne im RP rausgefunden werden.